Andreas Heckl - Abitur 19981. Wie war Ihr akademischer Werdegang? und 2. Welche Position/Funktion haben Sie heute inne? Ich bin derzeit Student (Geographie, Diplom) und habe Ende 2001 das Vordiplom abgelegt. 3. Hat Griechisch Ihrer Meinung nach zwischen Bibel und Laptop überhaupt noch Platz? Mit dem Schlagwort „Laptop“ verbindet man einerseits die moderne, technisierte Gesellschaft mit „Bibel“ andererseits die christliche Tradition des Abendlandes. Diese scheint heute oft verstaubt, nicht mehr zeitgemäß. Im Gegensatz dazu fehlt vielen aufgrund der Vielfalt der Lebensformen und der immensen Informationsflut, die im „Medien- und Kommunikationszeitalter“ auf sie hereinbricht, die Orientierung, die früher meist die Religion zu geben vermochte. Beide Dinge - Laptop und Bibel - scheinen schwer miteinander vereinbar. Meiner Meinung nach kann Griechisch einen Teil dazu beitragen, christliche Tradition und moderne Gesellschaft einander näherzubringen. Denn beide haben etwas gemeinsam: sie haben viele griechische Wurzeln. In der heutigen Gesellschaft sind dies v.a. das allgemeine Verständnis von Staat, Gesetzgebung, Demokratie, usw.. Die griechischen Wurzeln des Neuen Testaments hingegen ergeben sich allein schon aus der Tatsache, dass viele Aussprüche Platons zur Zeit Jesu schon sprichwörtlich waren und deren Verwendung in der Bibel auf gleiche Denkstrukturen schließen lässt. 4. Welche Impulse kann Griechisch aus Ihrer Sicht zur Weiterentwicklung christlicher Schulen leisten? In zweierlei Hinsicht kann der Griechischunterricht zur Ausbildung an christlichen Schulen beitragen. Zum einen vermag er, den Blickwinkel über die Religion hinaus zu weiten, indem festgestellt wird, dass viele Ansichten „weltlichen“ philosophischen Vorstellungen entstammen (vgl. Frage 3!). Zum anderen kann die Übersetzung der Bibel aus anderen Sprachen- Griechisch und Latein- auch zum besseren Verständnis beitragen. Eine Übersetzung bedeutet immer auch eine Interpretation. So wird beim eigenen Übersetzen die Erkenntnis gestärkt, dass in der Bibel nicht nur „unfehlbare Worte“ stehen, sondern es auch Fehlinterpretationen bzw. bewusste Auslegungen gegeben hat, die zweifellos für die dunklen Kapitel in der Geschichte des Christentums mitverantwortlich sind. 5. Mit welchen Argumenten würden Sie aus Ihrer heutigen Weltsicht Griechisch als 3. Fremdsprache empfehlen? In Zeiten der Globalisierung rücken die unterschiedlichsten Lebens- und Gesellschaftsformen, sowie Religionen immer mehr zusammen. Jeder wird somit mit ihnen konfrontiert. Allgemein wird Toleranz und interkultureller Dialog gefordert. Dass die häufig nicht verwirklicht wird, zeigen die zahlreichen ethnischen Konflikte und das Wiederaufleben des Terrorismus in neuen Dimensionen. Versucht man aber, andere Religionen und Kulturen zu verstehen, so kann dies nur geschehen, wenn zuvor über die eigenen Werte, mit denen man aufgewachsen ist und sozialisiert wurde, reflektiert wird. Sie werden für selbstverständlich und maßgeblich gehalten - erst mit einer kritischen Distanz zu ihnen kann eine Offenheit für neue Denkmuster erlangt werden. Ein wichtiger Schritt zur Reflexion über die gültigen Werte unserer Gesellschaft ist die Suche nach deren Wurzeln. Griechisch als dritte Fremdsprache kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. 6. Was soll vom erlebten Griechischunterricht beibehalten, was soll verändert werden? Grundsätzlich ist der große Lernaufwand für die Sprache unabdingbar, zumal für das Erlernen der Vokabeln und der Grammatik nur zwei Jahre Zeit gegeben wird. Allerdings gelangt man von Zeit zu Zeit an einen Punkt, an dem man sich fragt, für was plage ich mich eigentlich? Zwar wird schon im dritten Jahr mit der Lektüre begonnen, so richtig interessant wurde es aber erst im LK. So wäre es reizvoller, wenn schon davor mehr geschichtliche und philosophische Themen angeschnitten werden würden – zum einen, um Geschmack auf einen LK zu machen, zum anderen um denen, die nur drei Jahre Griechisch lernen, mehr mitzugeben. Copyright 1999-2012 by Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien. Last updated 03.01.04. Impressum. Für Kritik, Anregungen und alles andere mailen Sie bitte an webmaster@ottilien.de. |