Tilmann Kleinjung - Abitur 1990

1. Wie war Ihr akademischer Werdegang?

Studium der evangelischen Theologie in München und Basel – Studiendauer: 12 Semester – Abschluss: Kirchliches Examen

2. Welche Position/Funktion haben Sie heute inne?

Freier Hörfunkjournalist, daneben Promotion im Fach Neueste Kirchengeschichte

3. Hat Griechisch Ihrer Meinung nach zwischen Bibel und Laptop überhaupt noch Platz?

In meinem Studium brachte mir das „Graecum“ natürlich große Vorteile. In der wissenschaftlichen Exegese neutestamentlicher Texte ist Griechisch unentbehrlich. Für die Verkündigung des christlichen Glaubens, für die Übersetzung biblischer Botschaften in den aktuellen Kontext, für die Seelsorge – also kurz: für die praktische Theologie – ist die Kenntnis der biblischen Sprachen (Griechisch und Hebräisch) m.E. nicht notwendig. Das mag an meiner noch geringen Erfahrung in diesen Bereichen liegen. Ich habe genug damit zu kämpfen, Themen des Glaubens und der Bibel allgemeinverständlich und – zugänglich darzustellen, und halte deshalb den sehr wissenschaftlichen Zugang zur Heiligen Schrift, also die Übersetzung aus dem griechischen Original, für die seelsorgerliche Praxis eigentlich nicht für notwendig. In meiner eigenen Frömmigkeit spielt diese Herangehensweise an biblische Texte überhaupt keine Rolle.

4. Welche Impulse kann Griechisch aus Ihrer Sicht zur Weiterentwicklung christlicher Schulen leisten?

Für eine spezifisch christliche Erziehung eignet sich Griechisch als Sprache genauso gut wie jede andere Fremdsprache: die Auseinandersetzung mit einer fremden Gedanken- und Sprachwelt, die Beschäftigung mit Texten, mit Grammatik, Linguistik usw. Was die Schlüsselqualifikation „Kommunikationsfähigkeit“ betrifft, ist Griechisch – als alte Sprache – sogar im Nachteil. Für ein humanistisches Gymnasium ist die Beschäftigung mit den klassischen Inhalten der humanistischen Literatur natürlich unabdingbar.

5. Mit welchen Argumenten würden Sie aus Ihrer heutigen Weltsicht Griechisch als 3. Fremdsprache empfehlen?

Für das Studium der Theologie ist das Graecum unverzichtbar.

6. Was soll vom erlebten Griechischunterricht beibehalten, was soll verändert werden?

Auch wenn sich in der Erinnerung so manches verklärt – mir fallen keine gravierenden Schwächen des Ottilianer Griechisch-Unterrichtes ein.

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