Michael Seifert - Abitur 20001. Wie war Ihr akademischer Werdegang? Nach dem Abitur sofort (da keinen Wehr- oder Zivildienst) Studium der Rechtswissenschaften an der LMU in München. Nach einem Semester Fachwechsel; studiere jetzt BWL an o.g. Universität. 2. Welche Position/Funktion haben Sie heute inne? Noch nicht beantwortbar! 3. Hat Griechisch Ihrer Meinung nach zwischen Bibel und Laptop überhaupt noch Platz? Eine sehr gute und schwierige Frage: Griechisch vermittelt meines Erachtens dem Schüler die Größe und das Ausmaß unserer Kultur, des Abendlandes, Europas. Griechisch gibt einen Einblick in das, was wir unsere Wurzeln nennen. Die Bibel ist im gleichen, wenn nicht in einem höheren Maße ebenfalls eine, um nicht zu sagen die Wurzel unserer Kultur. Die Bibel ist immer noch unangefochten an der Spitze der meistverkauften Bücher! Laptop ("und Lederhose") symbolisiert das Zeitalter des technischen Fortschritts, das Zeitalter von Internet und digitaler Information und Kommunikation! Es heißt ja so schön: "Die belesensten Leute des vergangenen Jahrhundert sind - sofern sie nicht mit PC und Internet umgehen können - die Analphabeten des 21. Jahrhunderts." Nun: Hat Griechisch noch Platz zwischen Bibel und Laptop? Wenn den Menschen bewusst wäre, welcher Dimension sie sich durch eine Aversion gegen das Griechische verschließen, würde so manches anders laufen. Doch das Problem liegt darin, den Leuten zu vermitteln, was für sie sozusagen unterm Strich "rausspringt". Fazit: Keine Bibel ohne Griechisch - kein Laptop ohne Werte - keine Werte ohne christliches Abendland (und in letzterem sind Griechisch und die Bibel enthalten)! 4. Welche Impulse kann Griechisch aus Ihrer Sicht zur Weiterentwicklung christlicher Schulen leisten? Christliche Schulen kommen/sind meiner Meinung nach wieder ganz groß in den Kurs, zumal es in einer Welt des Überflusses ganz stark einer Vermittlung von Werten, aus der Sicht der Eltern zumindest, bedarf! Christliche Schulen können für sich beanspruchen, etwas Besonderes zu sein, eine besondere Ausbildung für die Schüler zu gewährleisten. Das Fach Griechisch spielt insofern eine gewichtige Rolle, als dass man sich dessen bewusst werden muss, dass Latein zwar gut, aber nicht gut genug ist. Die wahre Wurzel liegt bei Griechisch! Christliche Schulen sollten sich dagegen verwehren, in Sachen der Ausbildung jede "Modeströmung" mitzumachen, vielmehr sollten sie es sich zum Ziel setzen, kontinuierlich christliche Werte auf der Basis einer grundsoliden humanistischen Ausbildung den Schülern nahezubringen. Und das kann nur unter Einbezug der griechischen Wurzeln geschehen! 5. Mit welchen Argumenten würden Sie aus Ihrer heutigen Weltsicht Griechisch als 3. Fremdsprache empfehlen? Sprachen sind im Zeitalter von Kommunikation und Information ein unverzichtbarer Teil jedweder Ausbildung. Kaum eine Firma würde nicht ein Auge darauf werfen, ob ein Bewerber fließend Englisch (das ist heute Standard) und mindestens noch eine weitere Sprache beherrscht. Doch ist nicht nur reines Fachwissen relevant; auch die menschliche und allgemeine Bildung ist von großer Bedeutung. Nach dieser Ausführung könnte man meinen, ich würde Französisch als dritte Fremdsprache favorisieren! Dem ist in keinster Weise so. Französisch ist eine Sprache, die man ohne weiteres neben dem Studium an der Uni lernen und trainieren kann (ggf. auch durch einen entsprechenden Auslandsaufenthalt mit Besuch einer Sprachschule). Griechisch, das lernt man nicht an der Uni einfach so, das lernt man nur, wenn man sich täglich damit befasst, wenn man sich intensiv mit den Themen auseinandersetzt, wenn man die Lektüre pflegt und sich über die Erfahrungen und Eindrücke austauscht! Griechisch gibt Anlass dazu, sich Gedanken zu machen, sich kritisch mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, sich mit Texten zu identifizieren, logisch und strukturiert denken zu lernen! Das lernt man bei keiner anderen Sprache, nicht bei Französisch, nicht bei Spanisch, nicht bei Italienisch! Übrigens: die drei genannten Sprachen lassen sich leicht mit der Grundlage von Latein im Selbststudium erlernen! 6. Was soll vom erlebten Griechischunterricht beibehalten, was soll verändert werden? Man sollte davon wegkommen, dass Griechisch als eine "zweite" Lösung betrachtet wird und von Nicht-Griechen dermaßen durch den Dreck gezogen wird! Griechisch ist keine Last, Griechisch lernen zu dürfen, ist eine Bevorzugung derer, die sich für die klassische humanistische Ausbildung entschieden haben, gegenüber denen, die in der Masse mitschwimmen und das lernen, was man an jeder Straßenecke spricht! Wir "Griechen" gehören zu einer Elite, die Stolz darauf sein kann, zu wissen, dass sie zwar nichts weiß, aber somit die Welt und die Menschheit zumindest in einem kleinen Teil begriffen hat! Copyright 1999-2012 by Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien. Last updated 03.01.04. Impressum. Für Kritik, Anregungen und alles andere mailen Sie bitte an webmaster@ottilien.de. |