Michael Stangl - Abitur 19921. Wie war Ihr akademischer Werdegang? Studium an der TU München. Sparte Luft und Raumfahrt. Diplomarbeit in der Forschungsabteilung von DaimlerChrysler Anschließend etwa 1,5 Jahre Arbeit in der Softwareentwicklung. Schnittstellenprogrammierung von CAD Systemen für ZF, MTU, BMW. 2. Welche Position/Funktion haben Sie heute inne? Assistent an einem Lehrstuhl der TU München. 3. Hat Griechisch Ihrer Meinung nach zwischen Bibel und Laptop überhaupt noch Platz? der Gemoll oder das Organon sicher ;). Wenn das jedoch als eine Anspielung auf die in Bayern (von der bayr. Staatsregierung propagierte) Bild der Ausprägung der Wirtschaft gewertet werden soll, gibt es darauf sicher mehrere Antworten. Es hängt stark von der individuellen Bewertung von "Nutzen" einer "(Aus-)Bildung" im Leben ab. Sinn und Zweck einer schulischen Ausbildung ist ja letztendlich, für dieses Individuum bessere Überlebenschancen in einer Gesellschaft und Befähigung für ein lebenswertes Leben sicherzustellen. Wenn man also jetzt den direkten Nutzen von Griechisch in technischen Berufen vor Augen hat, bringt meiner Ansicht nach einem eine humanistische Ausbildung erst einmal gar nichts. Ich spreche hier von der direkten Lösung einer Aufgabe in der Konstruktion, oder der Abstrahierung oder Programmierung eines Problems. Dafür ist eine fundierte Ausbildung in Mathematik sicher besser. Man sollte dabei jedoch bedenken, dass die gesamte Ausbildung in Mathematik, die während eines Gymnasiumbesuchs von einem Schüler verarbeitet werden muss, in einem normalen Ingenieurstudium innerhalb von etwa 3 Wochen komplett wiederholt, erklärt und mit Beispielaufgaben abgehandelt wird. D.h. Meiner Ansicht nach sollte es nicht Sinn und Zweck einer schulischen Ausbildung sein, ein derartiges Studium vorwegzunehmen - dies ist ja dann in der Spezialisierung viel effektiver möglich - sondern vielmehr versuchen, eher eine breitere Ausbildung zu sichern. Auch beim Studium verschiedener Wirtschaftzeitungen unter dem Stichwort "zukünftige Schlüsselqualifikationen" kommt die fachliche Spezialisierung erst nach Sozialkompetenz, Flexibilität, Persönlichkeitsbild, etc. .. also viel später. Unter diesen Gesichtspunkten ist Griechisch also, auch heute noch, durch die Behandlung der Themen von alter Geschichte, die Berührpunkte mit Philosophie und Logik, aber auch seiner Poesie, Mythen und Geschichten sehr aktuell. Ich persönlich vermisse bei manchen meiner Kollegen manchmal Phantasie, Kreativität und die Fähigkeit, auch Althergebrachtes infrage zu stellen. Dies sind mit Sicherheit keine Dinge, die man mit einer stärkeren Ausrichtung der Ausbildung auf Mathematik und Physik erreicht. 4. Welche Impulse kann Griechisch aus Ihrer Sicht zur Weiterentwicklung christlicher Schulen leisten? - Auseinandersetzung mit anderen Ansichten der Welt, aber auch den Wurzeln christlicher Weltsicht (Thomas von Aquin wurde z.B. stark von Aristoteles beeinflusst) 5. Mit welchen Argumenten würden Sie aus Ihrer heutigen Weltsicht Griechisch als 3. Fremdsprache empfehlen? - wegen der Auseinandersetzung mit den in Griechisch behandelten Themen (Philosophie) und Leuten (Archetypen, Individualisten und deren Meinungen) ist es auf jeden Fall sinnvoll diese Sprache zu wählen - die Beschäftigung mit Geschichte und der Vergangenheit unser westlichen Kultur ist Grundlage jedes globaleren Blicks auf alle unsere Probleme - Auseinandersetzung mit Rhetorik, Stilmittel, Dialektik der Literatur ist essentiell, auch für heutige Präsentationen - die Geschichten von Menschen, Dramen und Komödien erinnern ganz gern manchmal an den täglichen Alltag in einem Großbetrieb. (Obwohl es von den Intrigen noch eher zum Kaiserreich des alten Rom passen würde). Man sieht das ganze vielleicht ein bisschen gelassener, nach dem Motto - ist ja immer noch dasselbe Spiel wie vor 2500 Jahren. (- das würde ich aber nicht als Argument bringen ... ) 6. Was soll vom erlebten Griechischunterricht beibehalten, was soll verändert werden? Was verändert werden sollte, kann ich nicht sagen. Man hat es ja nur so erlebt, wie es war. Ich habe mich außerdem bisher nur wenig mit Didaktik beschäftigt. Es dürfte vermutlich immer eine Gradwanderung zwischen der Sprache selbst (Bausteine wie Wörter oder Grammatik) und den gelesenen Inhalten sein. Mir hat damals vor allem die Auseinandersetzung mit der antiken Philosophie viel gebracht. Dies ist sicher individuell sehr unterschiedlich empfunden worden, wäre jedoch als der Punkt, der mir am wichtigsten wäre, beizubehalten. Copyright 1999-2012 by Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien. Last updated 03.01.04. Impressum. Für Kritik, Anregungen und alles andere mailen Sie bitte an webmaster@ottilien.de. |