Berichte zum Compassion-Praktikum 2010

Sozialpraktikum der 10. und 11. Jahrgangsstufe (Herr Gänsler)

Am Ende des vergangenen Schuljahres haben die SchülerInnen der 10. und 11. Jahrgangs- Stufen im Rahmen des Compassion-Projektes ein soziales Praktikum absolviert, das aus Termingründen nicht wie üblich zwei Wochen dauerte, sondern nur 5 Tage (Q 11) bzw 8 Tage (10. Jahrgangsstufe). Nachfolgend einige Auszüge aus den Praktikumsberichten, die deutlich machen, dass die SchülerInnen wichtige und wertvolle Erfahrungen machen konnten, auch wenn die Arbeit für viele nicht immer einfach war.

„ Im Zuge des Compassion-Projektes hatte ich die Möglichkeit, den Kindergarten einmal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Ich durfte mein Praktikum im Waldorf-Kindergarten Marthashofen machen, einem integrativen Kindergarten mit anthroposophischer Ausrichtung. Zu der Einrichtung gehören unter Anderem auch Behinderten-Einrichtungen und ein Altenheim, so dass die Kinder ganz selbstverständlich an den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen herangeführt werden. Meine Aufgaben bestanden in der Unterstützung der beiden Erzieherinnen, die zusammen mit einem weiteren (während meines Praktikums faktisch nicht anwesenden) Praktikanten für die Betreuung von insgesamt 23 Kindern im Alter von 3 – 7 Jahren zuständig waren. So musste ich zum Beispiel mit den sieben Vorschulkindern ihre Schultüten basteln, wobei die Arbeitsverteilung je nach Motivation des jeweiligen Kindes mehr bei mir oder mehr beim Kind selbst lag. Auch bei der Zubereitung der gemeinsamen Mahlzeiten war ich jeden Tag beteiligt.... . Selbstverständlich gehört zum Essen auch das Abspülen danach (vor allem für die Praktikanten). Aber ich hatte immer sehr tatkräftige (mehr oder weniger freiwillige ) Hilfe von den Kindern. Was mich besonders beeindruckt hat, ist die offene und unvoreingenommene Art, mit der mir die Kinder begegnet sind und die Herzlichkeit, mit der sie mich in ihren Kreis aufgenommen haben (mindestens ein Kind hing ständig an meinem Bein und beim Waldspaziergang waren die Plätze an meinen Händen heiß umkämpft). Vor allem habe ich nach dieser Woche eine große Hochachtung vor der Arbeit der beiden Erzieherinnen gewonnen, die mit viel Liebe und Geduld versuchen, jedem Kind mit seinen persönlichen Stärken und Schwächen gerecht zu werden und es zusätzlich dabei nach Kräften zu fördern, während sie aber gleichzeitig auf die Gruppe als Ganzes achten müssen und zahlreiche administrative Tätigkeiten nebenher zu erledigen haben (ganz zu schweigen von den zahlreichen Elterngesprächen zwischen Tür und Angel und einer überkochenden Milch auf dem Herd).“

„Während des Compassion-Projekts hatte ich die Möglichkeit in eine Grundschulklasse mit behinderten Kindern hineinzuschnuppern. Diese Klasse befindet sich in der Grundschule Kaufering und ist eine ausgelagerte Klasse der Regens-Wagner-Schule in Holzhausen. Sieben Kinder besuchen diese Klasse, von denen 5 Kinder das Down-Syndrom haben, ein weiteres Kind im Säuglingsalter epileptische Anfälle hatte und deswegen in seinen geistigen Fähigkeiten eingeschränkt ist und ein Kind, das sowohl körperlich als auch geistig behindert ist. Meine Aufgaben in der Integrativen Klasse lagen darin, mich mit den Kindern zu beschäftigen, also mit ihnen zu basteln, zu malen, zu spielen und die jeweiligen Betreuer zu unterstützen... . Für Kinder mit Down-Syndrom ist ein geregelter Tagesablauf oder die Sitzordnung am Tisch von großer Bedeutung. Ich durfte die Kinder auch begleiten, als am Freitag die Ergo- und Physiotherapeutinnen kamen, denen ich bei ihrer Arbeit zusehen konnte. Jeder einzelne Schüler erhielt seine spezielle Behandlung, der jeweiligen geistigen Reife angepasst. Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Zeit während des Compassion-Projekts unglaublich gut gefallen hat, aber um die Berufe richtig kennen zu lernen waren 5 Tage einfach zu wenig. Ich bin auch nett verabschiedet worden und habe das Angebot bekommen, im Falle eines Lehramtstudiums mein Orientierungspraktikum wieder in dieser Einrichtung absolvieren zu können.“

„Ich habe mein Sozialpraktikum in der Wohngruppe 1 im Pflegezentrum St. Agnes in Mering absolviert. Dort werden ältere Menschen, die alleine nicht mehr zurechtkommen und größtenteils an Demenz leiden und an den Rollstuhl gefesselt sind, betreut. Zu meinen Aufgaben zählten das Überziehen der Betten, das Verteilen und Eingeben von Getränken und Essen, das Begleiten von Bewohnern zu Veranstaltungen, das Verteilen der sauberen Wäsche und die Unterstützung der Betreuungshelferin, die mit verschiedenen Spielen die Bewohner beschäftigt. Da viele der Bewohner kaum mehr fähig waren zu sprechen, manche auch während des Tages schliefen oder Löcher in die Luft starrten, herrschte dort fast den ganzen Tag Stille, die auf Dauer sehr bedrückend war. Das triste Dasein der Menschen in einem solchen Heim hat mich sehr schockiert, da jeder Tag gleich ist, die Menschen selbst fast nichts mehr machen können, teilweise auch wie kleine Kinder behandelt werden (müssen) und einfach eine Stille herrscht, die ich persönlich nicht aushalten könnte. Deshalb bin ich mir sicher, dass dies kein Job für mich wäre, weil ich mit dem Leid und der Einsamkeit der Menschen auf Dauer schlecht umgehen könnte.“

„Das Sozialpraktikum im Altenheim in Jesenwang war am Anfang für mich schwierig, da ich nicht wusste, wie ich die kranken und alten Leute ansprechen, anfassen und mit ihnen umgehen sollte. Die Scheu vor den Bewohnern legte sich aber mit der Zeit, viele nahmen mich freundlich auf und waren froh, mich sehen zu können. Es gab aber auch Leute, die gar nicht erfreut waren über meinen Besuch, sie kannten mich nicht und ich war für sie fremd. Doch gegen Ende meines Praktikums kam ich mit allen Bewohnern klar und es machte mir auch Spaß mit ihnen zu arbeiten.... . Die Woche hat mir trotz mancher Anfangsschwierigkeiten gut gefallen, doch das Praktikum hätte ruhig noch länger dauern können, denn gerade am Ende der Woche hatte ich mich an die Arbeit gewöhnt und auch die alten Leute an mich. Sie bedauerten an meinem letzten Tag, dass ich wieder gehen musste.“

„Ich habe mein Sozialpraktikum bei der Stiftung Kinderhilfe in Fürstenfeldbruck absolviert, das ist eine heilpädagogische Tagesstätte für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Über Bekannte bin ich auf diese Sozialeinrichtung gestoßen und ich habe mich aufgrund ihrer Empfehlungen bei der Einrichtung beworben. Mein erster Eindruck bei meiner Vorstellung dort war recht positiv, die Einrichtung ist extrem gut organisiert und es wird individuell auf die Behinderungen oder, wie ich nach meinem Praktikum fast eher sagen würde, auf die Einschränkungen der Kinder eingegangen. An meinem Ersten Tag hat sich dieser Eindruck weiter bestätigt. Die Gruppenleiter (insgesamt drei) und die Gruppe (insgesamt 8 Kinder mit unterschiedlicher Einschränkung) sind ausgesprochen nett und die Gruppe ist zum Teil sogar viel „menschlicher“ als Menschen ohne Behinderung.... . Ich habe in der Tagesstätte, auch wenn sich das Praktikum nur über einen sehr kurzen Zeitraum erstreckte, viel über den Umgang mit geistig behinderten Kindern gelernt und kann für mich selbst sehr viel von der Woche „mitnehmen“. Ich konnte auch Vorurteile, die ich zuvor gegenüber solchen Menschen gehabt habe, da ich noch nie mit einer derartigen Gruppe in Kontakt war, abbauen und mir selbst ein Bild davon machen, wie geistig behinderte Menschen ihr Leben meistern und wie glücklich und fröhlich sie auch trotz ihrer Behinderung sein können. In diesem Punkt können wir von diesen Menschen lernen, weil sie viele Aspekte des Lebens leichter nehmen und sich somit nicht unnötig selbst unter Druck setzen.Und jedem Menschen, der sich in dieser Richtung sozial engagiert, gebührt meine vollste Anerkennung, da dieser Job einem manchmal alles abverlangen kann. Die fünf Tage haben mir also sehr gut gefallen und ich könnte mir z.B. eine ehrenamtliche Beschäftigung im sozialen Bereich einmal auf jeden Fall vorstellen.“

Berichte zum Compassion-Praktikum

Rückblick auf das Sozialpraktikum der 11. Jahrgangsstufe     (Herr Gänsler, Frau Karmann)

Am Ende des letzten Schuljahres hatten die SchülerInnen der 11.Jahrgangsstufe ein Sozialpraktikum absolviert. Sie konnten dabei in verschiedenen sozialen Einrichtungen interessante und teilweise recht beeindruckende Erfahrungen machen.
Folgende Auszüge aus den Praktikumsberichten sollen einen kleinen Einblick in den erlebten
Alltag ermöglichen.

Caritas-Werkstatt für behinderte Menschen in Fürstenfeldbruck

Bei meinem Sozialpraktikum vom 9.Juli bis 20. Juli konnte ich viele Erfahrungen durch die Arbeit mit Behinderten sammeln. Schon sehr bald merkte ich, dass der Umgang mit behinderten Menschen sehr viel Geduld erfordert. Dabei wurde mir auch klar, wie froh und dankbar diese Menschen waren, jemanden zu haben, mit dem sie reden konnten, der ihnen zuhörte und Ratschläge gab. Bei diesen Gesprächen traten die Behinderten ganz unbefangen auf und erzählten auch private Dinge und Probleme, obwohl sie mich erst seit kurzer Zeit kannten. Beim Sommerfest, dem sie schon eine Woche vorher entgegen fieberten, haben sie ausgelassen getanzt und alle haben eifrig zu einem gelungenen Fest beigetragen (z.B. Theatergruppe).
Insgesamt kann ich sagen, dass es eine sehr interessante und eindrucksvolle Zeit für mich war, in der ich sehr viel gelernt habe. Ich bin froh, dass ich zwei Wochen lang dieses Praktikum gemacht habe und ich werde der Werkstätte sicherlich wieder einmal einen Besuch abstatten.
(Christin Heilmeier)

Katholisches Kinderheim Augsburg-Hohenzoll e.V.

In der Internatsgruppe Tabaluga wohnen zehn hörgeschädigte Kinder (Hörgerät, Chip unter der Kopfhaut), die abwechselnd von zwei Erzieherinnen betreut werden.
Meine Aufgaben in dieser Zeit waren gemeinsame Essensvorbereitung, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung Die hörgeschädigten Kinder waren auch in der Aussprache beeinträchtigt und unterhielten sich öfter mit Handzeichen. Deshalb war es nötig mit ihnen langsam, laut und deutlich zu sprechen. Da die Kinder mich von Anfang an als ihren Freund akzeptierten, war ihre Behinderung schnell vergessen und auch ich akzeptierte sie als „normale“ Menschen.
Das Praktikum war eine schöne Zeit, in der ich viele und interessante Erfahrungen sammeln
konnte.
(Leonhard Löffler)

Wohnstift Augustinum in Diessen

Ich habe einige Tage in der Pflege gearbeitet, d.h. beim Waschen der alten Menschen helfen, die das nicht mehr alleine können, anschließend eincremen und anziehen. Die Arbeit begann um 6.00 Uhr und endete um 13.00 Uhr. Ich hatte somit das Leid der Menschen, die nichts mehr selbständig machen können, direkt vor Augen und ich wurde auch häufig mit dem Thema Tod konfrontiert, da sie oft sagten, dass sie am liebsten gleich sterben wollen. Ich wurde jeden Tag einem Pfleger oder einer Pflegerin zugeteilt, denen ich bei der Arbeit geholfen habe. Die ersten Tage waren sehr hart, da ich anfangs echte Schwierigkeiten hatte,
meine Ekelgrenze zu überwinden, um den Bewohnern selbstsicher und freundlich zu begegnen.
(Nina Kühne)

BRK- Sozialstation in Herrsching

Die ersten drei Tage sah ich meistens nur zu und machte einfache Handgriffe wie z.B. die Haut der pflegebedürftigen Menschen eincremen; doch danach durfte ich die Leute auch alleine duschen, anziehen etc.. Während ich anfangs noch ziemliche Hemmungen hatte die Leute zu berühren, verlor ich diese in den zwei Wochen sehr schnell.
Insgesamt waren es zwei sehr aufschlussreiche Wochen, die mir eine ganz andere Seite des
Lebens gezeigt haben als wir Jugendliche sie gewöhnlich kennen. Was ich erlebt habe war zum Teil erschreckend und furchtbar, aber zum Teil auch schön und ermutigend.
(Alexandra Loth)

Rettungswagen der BRK- Rettungswache Seefeld

Im Rahmen meiner derzeitigen Ausbildung zum Rettungssanitäter leistete ich mein Sozialpraktikum auf dem RTW (Rettungswagen) der BRK-Rettungswache Seefeld des Kreisverbandes Starnberg ab. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich im Rettungsdienst gefahren bin, allerdings das erste Mal 2 Wochen ununterbrochen, was ich als relativ anstrengend empfand. Aufgrund meiner bereits vorhandenen rettungsdienstlichen Ausbildung spielte ich nicht nur die Rolle des Betrachters, sondern durfte einen großen Teil der Patientenversorgung übernehmen. Ich hatte stets einen netten, erfahrenen sog. Lehrrettungsassistenten  an meiner Seite, welcher mir bei Problemen und Fragen sofort zur Seite stand, mich verbesserte und auch außergewöhnliche Einsätze mit mir im Nachhinein besprach. Das Einsatzaufkommen war täglich völlig unterschiedlich; es variierte von einem Einsatz in der Schicht bis zu acht Einsätzen und von Augenverletzungen über Herzinfarkt bis zum Herz-Kreislauf-Stillstand.
Ich hatte während dieser Zeit mit den verschiedensten Menschen aus verschiedensten Bevölkerungsschichten mit allen Arten medizinischer und psychischer Notfälle zu tun und konnte mich nie über einen langweiligen Tagesablauf beschweren, da man nie weiß, was der neue Tag in dieser Tätigkeit mit sich bringt.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es zwei sehr anstrengende Wochen waren, in welchen ich aber unbezahlbar viel gelernt und gesehen habe. Es waren zwar nicht nur erfreuliche und schöne Dinge darunter, aber insgesamt wurde ich in meinem Berufswunsch der Medizin erneut voll und ganz bestätigt.
(Martin Wunderl)

Kreisseniorenheim Theresienbad in Greifenberg

In meinem zweiwöchigen  Praktikum bin ich mit dem Leid aber auch mit der Freude und dem Lebensmut vieler alter Menschen konfrontiert worden.
Die Begegnungen mit ihnen haben mir gezeigt, dass es oft schon Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten sein können, über die sie sich freuen, auch wenn nicht alles im Leben positiv und wie geplant verlaufen ist. Schon allein die Tatsache, dass Jugendliche zu ihnen kommen um sich mit ihnen zu beschäftigen, hat viele Bewohner des Seniorenheims glücklich gemacht. So haben wir beim Spazierengehen gemerkt, wie die alten Menschen aufgeschlossener uns gegenüber wurden und aus sich herausgegangen sind. Dieses Gefühl für andere da zu sein, macht auch selbst froh und zufrieden.
Es gab jedoch auch schwere Erfahrungen, wie zum Beispiel, als jemand, den ich vor wenigen Tagen noch betreut hatte, gestorben ist. Manchmal kommt man nach längerer Bedenkzeit jedoch im Einzelfall auch zu der Erkenntnis, dass der Tod eine Erlösung sein kann. Die eingehenden und intensiven Gespräche mit dem Pflegepersonal und den Ärzten haben es mir ermöglicht einen tieferen Einblick in das Leben der Patienten und auch in die tägliche Arbeit, die für die Bewohner des Heimes verrichtet wird, zu erhalten. Unter Anleitung der für meinen Arbeitsbereich zuständigen Pfleger, die für mich stets ein offenes Ohr hatten, habe ich viel über die Betreuung alter und manchmal auch kranker Menschen gelernt. Jeder Tag brachte etwas Neues. Einerseits neue Aufgaben, andererseits, was viel wichtiger für mich war, ein besseres, engeres Verhältnis zu den Bewohnern, was natürlich dazu führte, dass der Abschied am letzten Tag schwer fiel.
Ich halte ein solches Praktikum für äußerst sinnvoll, da es Eindrücke und  Erfahrungen vermittelt, die auch im eigenen Leben  nützen können und die man ohne dieses Praktikum wahrscheinlich nie so unmittelbar hätte machen können.
Man lernt das Leben mit anderen Augen sehen.
(Philipp Böhler)

Behindertenwerkstätte der Caritas in Fürstenfeldbruck

Mit gespannter Erwartung, aber auch der Angst, etwas falsch zu machen begann am Montag, den 9.Juli mein Sozialpraktikum. Zunächst war alles etwas ungewohnt. Zwei weitere Praktikantinnen und ich wurden den  verschiedenen Gruppen zugeordnet und dort von den Betreuern in unser Aufgabengebiet eingewiesen.
Ich sollte eine Woche in „Montage 1“ mithelfen. Die für meinen Bereich zuständigen Leiter waren mir sofort sympathisch. Auch die Behinderten waren sehr offen und hilfsbereit. Meine Gruppe hatte die Aufgabe Autoteile der Firma MAN in Kartons zu verpacken und ich war in der Erwartung in die Werkstätte gegangen, dort den Behinderten behilflich zu sein. Deswegen war ich an diesem Tag sehr erstaunt, als plötzlich ich von den Behinderten gezeigt bekam, wie alles zu bewerkstelligen sein würde. Natürlich ist die Arbeit dort im Vergleich zu der von Gesunden entsprechend eingeschränkt, aber ich war doch erstaunt, zu welcher Leistung die dort Tätigen fähig sind. Bei einer Hausführung Mitte der Woche, bei der wir die verschiedenen Abteilungen, wie zum Beispiel die für Holzverarbeitung, Metall und Elektronik gezeigt bekamen, hatte es uns  besonders der kleine Laden, in dem man alle möglichen Holzspiele oder auch praktischen Dinge wie Bilderrahmen kaufen konnte, angetan.
Die Woche war geprägt von Erlebnissen:
So war es ein ganz ungewöhnliches Gefühl, Leuten bei elementaren Dingen wie dem Abzählen von Kartons zu helfen. Was mich persönlich auch sehr fasziniert hat, war der Umgang der Behinderten untereinander.  So wurde ganz selbstverständlich dem Rollstuhlfahrer geholfen, der dafür wiederum einem Mongoloiden beim Zählen der zu verpackenden Teile zur Seite stand. In dieser Behindertenwerkstätte lernten wir die unterschiedlichsten Formen der Behinderung kennen. Leider waren einige so schwer geistig behindert, dass sie kaum arbeitsfähig waren und nur in ihrer eigenen Welt lebten. Bei anderen dagegen konnte es schon einmal vorkommen, dass man sie mit einem Betreuer verwechselte. Sie hatten nur leichte psychische Probleme und konnten allein aus diesem Grund keine normale Arbeit mehr verrichten. In den Pausen brachten uns die Behinderten mit dem ihnen eigenen Humor und ihrer Freude über Kleinigkeiten  oft zum Lachen und Staunen. Die Anhänglichen suchten sofort den Kontakt mit uns, mit den Ruhigeren wurde man erst im Laufe der Woche näher bekannt.
Ich möchte die interessanten und positiven Erfahrungen, die Neugier, Hilfsbereitschaft und die mir entgegengebrachte Freude der Behinderten nicht missen. Nach einer Woche war für mich der tägliche Umgang mit ihnen ganz normal geworden. Ich denke so ein Praktikum prägt auch  die eigene Haltung in Bezug auf andere Menschen und  bewirkt Veränderungen. Es sollte künftig auch anderen Elftklässlern die Gelegenheit gegeben werden ein Sozialpraktikum zu absolvieren, damit auch sie ähnlich positive Erfahrungen, wie ich selbst sie hatte, machen können. Zu schade, dass ich nach der Zeit der Eingewöhnung, in der ich endlich auch die „Stillen“ in der Gruppe kennengelernt hatte, schon wieder mit einem Abschiedsgeschenk den Heimweg antreten musste, natürlich nicht ohne vorher versprochen zu haben den Leuten, mit denen ich mich angefreundet hatte, mal wieder einen Besuch abzustatten.
(Lisa Maier)   

Demenzstation des Wohnstifts Augustinum in München

„Schwester, HILFE!“, mit diesem Ausruf eines Bewohners fing mein erster Tag im „Treffpunkt“, der Demenzstation des Augustinums an. Eine kleine, zierliche Frau bewegte sich mit ihrem Gebiss in der Hand auf mich zu und bat mich, ihr beim Einsetzen zu helfen. Ich, gerade erst in den Räumlichkeiten angekommen, war zuerst etwas entsetzt und verwirrt, als ich nun mit dem Gebiss in der Hand da stand und die kleine Frau erwartungsvoll mit offenem Mund auf mich wartete. Zum Glück kam mir eine Pflegerin zu Hilfe. Sie setzte die Frau erst einmal behutsam auf einen Stuhl, fragte nach ihrem allgemeinen Befinden und setzte dann vorsichtig mit erklärenden Worten zu mir gewandt das Gebiss ein. So war ich für das nächste Mal vorbereitet und bekam gleich einen Eindruck von dem, was mir in den folgenden Tagen bevorstehen würde.
Der normale Tag im „Treffpunkt“ begann mit dem Abholen der Bewohner in ihren Zimmern, wo sie meist gespannt und fertig mit der Grundpflege durch die Pflegerinnen, auf ihren  Ausflug in den „Treffpunkt“ warteten. Es war sehr wichtig, jeden Betreuten immer zur selben Zeit abzuholen, da ein geregelter Tagesablauf, auf dessen zeitliche Struktur er sich verlassen kann, gerade für den Demenzkranken sehr wichtig ist. Verspätet man sich zum Beispiel nur um zehn Minuten, beginnt er  meist selbst, sich auf den Weg zu machen, was sehr gefährlich enden kann, da viele oft stürzen und dadurch ein hohes Verletzungsrisiko besteht. Auch sein psychisches Wohlbefinden leidet unter Unregelmäßigkeiten, da sie ihm das Gefühl der Vernachlässigung oder des Ungeliebtseins vermitteln, was meist bis zum Abend noch nicht verdaut ist.
Um acht Uhr wurde dann das Frühstück geholt und ausgeteilt. Bei klassischer Musik im Hintergrund wurde es dann verzehrt, wobei der eine oder andere ein wenig Hilfe brauchte. Es ist wichtig sich immer viel Zeit für jeden zu nehmen und ihn so weit wie möglich alles selber zu machen lassen, um seine motorischen Fähigkeiten zu trainieren und ihm nicht das Gefühl zu geben, ein Pflegefall zu sein. Selbst wenn nur 30% des Löffels im Mund landen, sollte ihm die Möglichkeit zum selber Essen gegeben werden, was oftmals sehr viel Geduld erforderte. Schnelles Eingeben des Essens hätte  Zeit und Servietten gespart.
Nach dem Frühstück war Zeit, sich je nach Neigung und Interesse durch Spielen, Unterhalten oder Singen mit dem Bewohner zu beschäftigen. Viele brauchten einfach ein bisschen Zuwendung. Ein sanftes durch die Haare Streicheln, ein Küsschen oder eine Umarmung wirken meist Wunder. Das wiederholte, geduldige Antworten auf dieselben Fragen war ebenso wichtig, auch wenn es nahelag, nach dem zehnten Wiederholen der Frage etwas patzig oder ungeduldig zu antworten. In den Augen des Bewohners wurde die Frage nämlich zum ersten Mal gestellt. Auch beim Lösen von Kreuzworträtseln sollte man sich weitgehend zurücknehmen und auch mal die falsche Antwort mit einem Lob eintragen, da der Bewohner sonst depressiv oder aufgebracht werden kann, wenn er deutlich auf sein Versagen hingewiesen wird. Das Singen oder Hören von alten bekannten Liedern machte den meisten immer besonders viel Freude, weil es eine Abwechslung in ihrem Alltag darstellte. So haben Isabelle und ich ein Experiment gestartet und jeden Tag kurz vor dem Mittagessen abwechselnd Schlager oder Kirchenlieder mit ihnen gesungen und mit der Gitarre begleitet. Vor allem bei den religiösen Liedern konnte man den Beruhigungsfaktor auf den Gesichtern erkennen und Lieder über die Auferstehung nahmen für kurze Zeit auch die immer gegenwärtige Angst vor dem Tod.
Eine sehr alte Frau, die alle zwei Minuten mit panischem Gesichtsausdruck fragte, ob sie sterben müsse war so für den Rest des Tages von dieser Frage befreit, was an ein Wunder grenzte. Auch das Vorlesen aus der Bibel oder gemeinsame Gebete beruhigten die Bewohner auf eine Art und Weise, die staunen ließ.
Nach dem Mittagessen, das, sofern es dem Anspruch des Bewohners nicht genügte, auch oftmals hinter einem nachgeworfen wurde, war es an der Zeit Mittagsruhe zu halten, während der jeder in seinem Rollstuhl in Liegehaltung geklappt wurde, um sich ein kleines Schläfchen zu gönnen. Um diese Zeit hatte man das Gefühl, die Welt stände still, keine genervten oder panischen Hilferufe nach der „Schwester“ mehr, keine depressiven Zustände -  nichts. Jeder lag zufrieden in seinem Stuhl und im ruhigen Umfeld ging meine Schicht zu Ende.
Morgen würde wieder ein neuer, anstrengender Tag beginnen, an dem es meine Aufgabe sein würde, die Bewohner im „Treffpunkt“ bestmöglich zu unterhalten und sie in der letzten Phase ihres Lebens zu unterstützen.
Insgesamt kann ich sagen, dass diese Praktikumszeit eine wertvolle Erfahrung für mich war und die Zeit perfekt für einen Einblick in das Leben der Menschen gereicht hat. Mein Praktikumsplatz ist sehr zu empfehlen, da man in viele Bereiche Einblick gewinnt, in einem guten Betriebsklima arbeitet und viel lernen darf, sowohl praktische Dinge, als auch Erfahrungen fürs Leben.
Leider musste ich feststellen, dass die tägliche Arbeit und die große Belastung der Pfleger und Betreuer, die mit viel Liebe jeden Tag aufs Neue für ihre Truppe da sind, viel zu wenig geschätzt und entlohnt wird. Es ist eine Arbeit, die am Rande der Gesellschaft ihren Platz hat und selbst die größte Motivation der Pfleger ist da oft nur ein Tropfen auf den heissen Stein.
(Sara Lindermeier)

Tips für unsere Nachfolger im Praktikum:

  1. Mut zu anspruchsvollen Praktikumsplätzen     
  2. Geduld haben und nicht aufgeben
  3. Interesse am Einzelnen zeigen
  4. Offenheit und keine Berührungsängste
  5. Austauschen mit anderen Praktikanten, Eltern und Freunden

 

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