Gebet

Das alte Wörtchen „fromm“ hat den Anstrich des Bigotten bekommen. „Lieber Gott, mach mich fromm, damit ich zu dir in den Himmel komm“ - diese Karikatur von Gebet könnte zeigen, was Beten nicht heißt: Gott gnädig zu stimmen und für das persönliche Seelenheil eine Garantie einzuhandeln. Das Hebräische verwendet statt „fromm“ das Wörtchen „tam“, und „tam“ bedeutet zunächst einmal „ganz“. Gott ist immer schon gnädig. Seine Zuwendung möchte das „Ganzwerden“ des Menschen und hängt nicht ab von dessen Gebeten. Indem jedoch der Mensch betet, öffnet er einen Raum, diese Zuwendung ankommen zu lassen und etwas von ihr zu erfahren. Beziehung braucht Beziehungspflege. Gottesbeziehung braucht Gebet. Impulse, die zum Beten hinführen, sind deshalb ein Herzensanliegen der Schulpastoral.

Diesem Herzensanliegen entspricht auch die Tradition des Morgengebets, die wir wie viele andere Schulen pflegen: Zu Beginn der ersten Stunde an jedem Schultag spricht ein Schüler ein Gebet, das er einer Auswahl in einem Gebetsordner oder einem Gebetbuch entnommen hat, oder der Lehrer gestaltet mit der Klasse eine kurze Morgenbesinnung, indem er einen Impuls gibt in Form einer Geschichte oder eines Bildes oder mit einem anderen Medium.

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