Unser Weihnachten in Afrika

von Madeleine Prahs, Regina Sarreiter, K13

Zu Beginn des neuen Schuljahres schlug uns Br. Josef, Mönch in der Abtei St. Ottilien und Lehrer des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums, vor, Weihnachten und Neujahr auf eine neue und ungewöhnliche Art zu verbringen. Fernab von Familie und heimischer Tradition wurde uns die Möglichkeit geboten, an einem deutsch-togolesischen Austausch teilzunehmen und dadurch in eine völlig neue Kultur und Lebensweise einzutauchen.
Bereits vor zehn Jahren fand auf Initiative von Br. Josef und Frère Boniface, dem Gründer des Monastère de l'Incarnation (Kloster der Menschwerdung), eine solche Begegnung zwischen Schülern des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums und den Angehörigen des Klosters in Agbang statt. Beide Klöster gehören dem Orden der Benediktiner an und pflegen schon seit langem intensive Beziehungen.
Die Voraussetzungen für diese Reise waren Interesse an einer uns fremden Kultur, Bereitschaft, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen und eventuell auf den üblichen Luxus zu verzichten. Es lässt sich schon erkennen, dass es sich hierbei nicht um einen typischen Touristenurlaub handelte, sondern um einen direkten Kontakt zum "wirklichen" afrikanischen Lebensalltag. Dazu gehörte auch die Mitarbeit in der Gemeinschaft.
Trotz Schlangen, Malaria und anderer Gefahren fand sich eine kleine Gruppe von acht mutigen Schülern aus den verschiedensten Altersgruppen zusammen, um sich auf eine abenteuerliche Reise nach Togo, Westafrika, zu begeben. So starteten wir am 21.12.98, um innerhalb von drei Wochen das Land und seine Bewohner kennen zu lernen. Erste Eindrücke gewannen wir während unseres dreitägigen Aufenthalts in Lomè, der Hauptstadt Togos. Der erste Kontakt mit der anderen Kultur war geprägt von Verwunderung und Erstaunen. Wir waren recht verblüfft, als sich das größte Hochhaus in Lomè als Hotel nach europäischen Maßstäben herausstellte. Das Streben nach europäischen Werten dort stand in direktem Kontrast zu dem Kloster in Agbang, das wir nach 400 km Fahrt in Richtung Norden erreichten. Hier begegneten wir zum ersten Mal afrikanischen Traditionen, wie sie vor allem in den ländlichen Gegenden gepflegt werden. Das zeigte sich besonders im klösterlichen Leben: So wurden die Gottesdienste sowohl in der offiziellen Amtssprache Französisch als auch in der Stammessprache Kabiyé gehalten. Der tiefe Glaube an Gott offenbarte sich in einem Gottesdienst, der vor allem durch Tanz und Gesang lebte. Dieses intensive Erleben von Religion faszinierte uns und ließ uns fortan gerne an den Gottesdiensten teilnehmen.
So intensiv wie die Togolesen ihren Glauben zelebrieren, so ausgelassen wird auch gefeiert. An Weihnachten kamen Kloster und Dorfgemeinschaft zu einem großen Fest zusammen. Afrikanische Rhythmen begleiteten Tänze und Gesänge und die Liebenswürdigkeit, mit der wir in die Gemeinschaft aufgenommen wurden, ließ Heimweh erst gar nicht aufkommen. Zusammen mit togolesischen Jugendlichen feierten wir in den folgenden Tagen Kamou (Erntedank) und den Jahreswechsel.
Ein weiterer Bestandteil dieser Reise war jedoch auch die Mitarbeit in der Gemeinschaft. Gemeinsam mit den Brüdern haben wir ein Haus gestrichen, Essen zubereitet und andere alltägliche Arbeiten erledigt. Wir erlebten die Arbeit nicht als lästige Pflicht, es war vielmehr ein Beitrag zum Zusammenleben, bei dem wir viel Spaß hatten. Uns wurde klar, dass wir nicht als Touristen, sondern als Mitglieder der christlichen Gemeinschaft gesehen wurden.
Bei Ausflügen in die benachbarte Stadt Kara wurden wir oft von Familien eingeladen. Trotz der vorherrschenden Armut wurde alles getan, um uns ein üppiges Essen auftischen zu können. Diese grenzenlose Gastfreundschaft ließ uns staunen, denn es kann vorkommen, dass beispielsweise ein Lehrer drei Monate kein Gehalt bekommt, weil der Staat kein Geld hat. Dass Bildung ein Luxus ist, wurde uns auch in den Gesprächen mit den afrikanischen Jugendlichen klar. So fehlt ihnen oftmals das Geld, sich notwendige Bücher zu kaufen. Das stimmte uns nachdenklich, denn für uns Selbstverständliches bekam plötzlich einen ganz neuen Stellenwert.
Ein Eindruck, den wir von Afrika mitgenommen haben, ist, neben großartiger Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft, eine beispiellose Aufgeschlossenheit gegenüber unserer Mentalität. Wir wurden ohne Vorurteile akzeptiert und aufgrund dieser Tatsache fühlten wir uns, wie in einer Familie, geborgen. Daher fiel der Abschied am 11.01.99 sehr schwer. Jeder von uns hat einen Teil seines Herzens in Togo gelassen.
Hoffentlich geben unsere Erlebnisse anderen Jugendlichen einen Anstoß, sich für Kulturen außerhalb Europas zu öffnen und somit ihren Horizont zu erweitern.
An dieser Stelle möchten wir vor allem Br. Josef danken, ohne den diese Reise gar nicht möglich gewesen wäre.

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