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historisch . fotoarchiv 1899-1970 . jahreschroniken


FOTOARCHIV 1899 - 1962

Hier präsentieren wir Ihnen einige der zahllosen Schätze des Klosterarchivs: Historische Aufnahmen des heutigen Tagesheims/Internats von den Anfängen im 19. Jahrhundert als Benediktinerinnenkloster St. Katharina und als "Missionsseminar" des 20. Jahrhunderts, erläutert vom Klosterarchivar (und Tagesheimleiter) Br. David Gantner OSB.



 



Kloster
Frauenkloster
St. Katharina 1897








Mission ist nicht nur Männersache. Um die katechetischen, hauswirtschaftlichen und pädagogischen Arbeiten in den Missionen des späten 19. Jahrhunderts zu verwirklichen, braucht es auch „Missionarinnen". Deshalb rief der Gründer von St. Ottilien, P. Andreas Amrhein, einen Missionsorden für Frauen und Männer ins Leben. Da der 1887 besiedelte Schloßtrakt an der Ottilienkapelle für ein Doppelkloster bald zu klein wurde, plante die Gründergeneration für die Schwestern und Mönche jeweils einen eigenen Klosterbau. Zuerst konnte für die Schwestern das Kloster St. Katharina fertig gestellt und am 9. November 1897 bezogen werden.




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Kapellendecke 1899










Die Zeiten des Chorgebets und der Eucharistiefeier der Schwestern kündigte das Geläut einer Glocke im Türmchen an. Mönche der Kunstschule des Klosters Beuron schmückten die Maria-Hilf-Kapelle mit Wandmalereien und Deckengemälden zum Leben des Hl. Benedikts aus. 1925 wurde die Kapelle umgestaltet und 1958 wegen Vergrößerung des Gebäudes aufgelöst. Dennoch sind Teile der historischen Malereien heute noch in den Räumen des Tagesheims zu sehen und möchten von den Jugendlichen „gelesen und verstanden" werden.




1891 zogen die Mönche in den Bau östlich der Klosterkirche ein. Die frei gewordenen Räume im alten Schloßtrakt an der Ottilienkapelle konnten nun für die Errichtung einer Internatsschule für Knaben genutzt werden, galt es doch, Nachwuchs für die Missionsidee heranzuziehen. So wurde in St. Ottilien 1901 das älteste Missionsseminar auf deutschem Boden errichtet. Als die Schwestern 1904 nach Tutzing an den Starnberger See übersiedelten, hielt das Missionsseminar Einzug in den Gebäuden des Frauenklosters St. Katharina - worauf diese Postkarte hinweisen möchte.





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Missionseminar bezogen 1904


Zu den klösterlichen Bräuchen gehört ein kultivierter Tisch. Die Mahlzeiten werden in Gemeinschaft eingenommen. Die Zöglinge des Seminars übten dies im gleichen Refektorium (Speisesaal) wie die Schwestern - hier in einer Aufnahme von 1905. Auch wenn der Speisesaal von Internat und Tagesheim heute nicht mehr in diesem Raum ist, so üben sich die Schüler und Schülerinnen weiterhin in diesen Gebräuchen und versuchen sich - ganz klösterlich - im benediktinischen Dienen und Bedientwerden.


 




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Speisesaal



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Studiersaal 1916/17


Wer Mönch und Missionar werden will, kommt nicht an Bildung vorbei. Das Erlernen der fachlichen Kompetenzen erfolgte im „Studiersaal", damals die Bezeichnung für das Klassenzimmer der Seminaristen, die meist von einem Mönch unterrichtet wurden. Das Wort „Studiersaal" ist in Internat bzw. Tagesheim heute immer noch in Gebrauch und benennt jenen Raum, wo Schülerinnen und Schüler nachmittags unter Anleitung einer Erziehungskraft ihre Hausaufgaben anfertigen und gewillt sind, sich menschlich in gegenseitiger Rücksicht und Geduld zu üben.





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Seminar mit Weiher (ausgegraben in den Osterferien und im September 1905) um 1906


Zum anstrengenden Unterricht im Seminar brauchte es Zeiten der Erholung - in der Kloster- sprache „Rekreation", in Tagesheim und Internat heutzutage „Freizeit" genannt. Hierfür, aber auch um ausreichend Löschwasser zu haben, hoben die Seminaristen 1905 den Seminarweiher aus. Das Gewässer wurde später in Beton gefasst. Der Name „Seminarweiher" ist geblieben und erfüllt heute noch die doppelte Aufgabe als Spielparadies für die Kinder zum Baden, Boot fahren und Eislaufen und als Löschweiher für die Klosterfeuerwehr.



1904 schon war die Zahl der Seminaristen so sehr angestiegen, dass ein Anbau Richtung Nord-Ost nötig geworden war. Der sog. „Saalbau" beherbergte im Parterre eine Turnhalle mit Bühnenöffnung nach Norden. So konnten sowohl „Leibesübungen" als auch Theateraufführungen und festliche Konzerte durchgeführt werden. Im ersten und zweiten Stock waren Studiersäle untergebracht, während der dritte Stock zu einem großen Schlafsaal für etwa 60 Betten ausgebaut wurde. Der „Saalbau" ermöglichte, die musisch-gestalterische Ausbildung der Seminaristen zu vertiefen - ein Bereich, der heute dem Gymnasium ein besonderes Profil verleiht.





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Missionsseminar um 1910

Auch am Seminargebäude nagt der Zahn der Zeit. So mussten in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erste bauliche Maßnahmen durchgeführt werden. Das Türmchen wurde wegen Baufälligkeit abgenommen und für den Seminarbetrieb eine elektrische Hausglocke installiert. Die Präfekten setzten moderne Medien ein, um über Film und Printmedien die Kulturen von Afrika und Asien näher zu bringen. Das Ziel, im Seminaristen einen Mönch und Missionar heranreifen zu lassen, unterstützte ein strenger, oft sehr harter, ja fast klösterlicher Tagesrhythmus - so streng gegliedert wie die Südfassade des Missions- seminars aus dem Jahre 1925.





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Missionsseminar um 1925




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Seminarkirche St. Michael, erste Altargestaltung; Weihe Mai 1962


Äußerlich verändert wurde das Gebäude erst 1958. An der Ostseite des altehrwürdigen Schwesternklosters wurde die Hauswand durchbrochen und somit die Kapelle säkularisiert. 1959 schloss sich eine Eingangshalle und der dazugehörige Festsaal- und Küchen-Trakt an: im I. Stock der große Festsaal, im Parterre die Speisesäle. 1962 wurde an der Südseite des Festsaaltrakts ein weiterer Schultrakt angebaut und im selben Jahr die Seminarkirche St. Michael samt Innenhof eingeweiht.
Es kam - jetzt zeitlich - das II. Vatikanische Konzil, das viele Veränderungen brachte, nicht nur für die Gebräuche in Benediktinerklöstern und hinsichtlich der Tätigkeiten der missionierenden Orden, sondern auch für die Jugend- und Schulerziehung und für die Begegnung mit Weltreligionen und den Kulturen anderer Kontinente.








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Seminarneubau: Eingangshalle und Treppe zum Festsaal 1962



Im Jahr 1973 wurde in St. Katharina das Tagesheim eröffnet, und im selben Jahr gab die Erzabtei St. Ottilien die Trägerschaft für das Gymnasium an das Schulwerk der Diözese Augsburg ab. So veränderte sich das ehemalige Schwesternkloster zu einem Gebäudekomplex, weniger kompakt, dafür nicht nur architektonisch weitläufiger und vielschichtiger. Dennoch verfolgen Internat, Tagesheim und Gymnasium die Absicht, zu missionarisch gesinnten Christen heranzuführen ...







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